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Mit der Angst umgehen – Psychologische Hilfe bei Brustkrebs

Die Diagnose Brustkrebs bedeutet im Leben einer Frau einen radikalen Einschnitt. Die Belastung ist nicht nur körperlicher Art. Ängste und seelischer Druck begleiten oftmals die Erkrankung. Experten schätzen, dass zwischen 20 und 30 Prozent aller Krebspatienten bei der Bewältigung ihrer Krankheit auf professionelle Unterstützung ange- wiesen sind.

Der Vorstandsvorsitzende des Brustforum Stuttgart e.V., Dr. Thomas Kuhn, empfiehlt Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, möglichst offen ihre Probleme und Ängste auszusprechen: „Der Austausch über Sorgen und Gefühle ist ganz entscheidend. Betroffene werden besser mit der Erkrankung fertig, wenn sie sich offen mitteilen“, so der Facharzt für gynäkologische Onkologie. Dabei müsse der Gesprächspartner kein Fachmann sein. Viel wichtiger sei Vertrauen: In Frage kämen beispielsweise Familienmitglieder, Freunde oder Gleichgesinnte aus einer Selbsthilfegruppe. Einen dringenden Handlungsbedarf sieht Dr. Kuhn in der Schaffung von speziell ausgebildeten Familientherapeuten, denn immer mehr junge Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, fragen sich, wie sie mit ihren Kindern umgehen müssen. Kinder seien sehr sensibel und würden die Not der Mütter spüren, wären aber häufig mit ihren Ängsten alleingelassen, so Kuhn.
Das Brustforum www.brustforum.de bietet Patientinnen außerdem praktische Information, Beratung und konkrete Hilfe über die medizinische Versorgung hinaus.

Um sich aus der seelischen Isolation zu befreien, können Patientinnen aber auch professionelle Hilfe erhalten. So genannte Psychoonkologen unterstützen Krebskranke dabei, ihre Krankheit zu verarbeiten. Sie sind speziell für die Betreuung dieser Patienten ausgebildet. Psychoonkologen helfen Betroffenen, eine positivere Einstellung zum Leben zu entwickeln und Ängste zu bewältigen. Der Experte Dr. Thomas Kuhn am Brustzentrum Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart sagt, dass während einer Krebstherapie die betroffenen Frauen besonders viel Kraft brauchen: „Psychotherapie kann hierfür Ressourcen mobilisieren.“ Aber auch krankheits- und behandlungsbedingte Beschwerden wie Schlaf- oder Konzentrationsprobleme können sich dadurch verringern.

Eine Psychotherapie kann dazu beitragen, die Lebensqualität der Krebspatientin aufrecht zu erhalten oder sogar zu steigern. Dies wiederum kann sich auch positiv auf die Therapie der Krankheit auswirken. In großen Brust- und Tumorzentren arbeiten deshalb Psychoonkologen, die sich um die psychosoziale Betreuung der Patienten kümmern. Viele Frauen schließen sich auch Brustkrebs-Selbsthilfegruppen an. Im Gespräch mit anderen Betroffenen tauschen sie Erfahrungen aus, diskutieren Probleme und geben sich gegenseitig Tipps. Eine Liste von Brustkrebs-Selbsthilfegruppen ist im Internet unter www.frauenselbsthilfe.de zu finden.

Das Brustzentrum am Karl-Olga-Krankenhaus hat eine Gesprächs- initiative mit Psychoonkologen und Familientherapeuten ins Leben gerufen, um ein Netzwerk von effizienten Hilfsangeboten anbieten zu können. Die zwei Brustkrebsspezialisten Dr. Kuhn und Dr. Beldermann sehen in Stuttgart eine chronische Unterversorgung. Lange Wartelisten bei den psychoonkologischen Beratungsstellen seien der Alltag, oft sei eine Akutversorgung nicht gewährleistet. Die geforderten Ansätze für die Psychoonkologie im DMP Brustkrebs könnten nicht nur in Stuttgart nur unbefriedigt realisiert werden.

Der ärztliche Fortbildungsverein GynFo führte im Rahmen seiner monatlichen Fortbildungen am 16.03.2005 eine Fortbildung zum Thema „Betreuungsbedürfnisse von Brustkrebspatientinnen in der ambulanten Nachsorge“. Die von Hausärzten, Internisten und Gynäkologen gut besuchte Veranstaltung zeigte den Willen der Ärzte, sich dieser Thematik zu öffnen. Einhellig wurde von den Frauenärzten mehr Fortbildungsangebote über psychoonkologische Themen gefordert. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Thomas Kuhn versprach, hierzu in naher Zukunft einen Workshop anzubieten.

Quelle: Brustforum Stuttgart e.V.